Was ist ein facility manager?

Was ist eigentlich ein Facility Manager?

Früher hießen sie Hausmeister, jetzt „Facility Manager“. Früher waren sie die gute Seele eines Gebäudes, heute sind sie studierte Wirtschaftsingenieure. Ein Streitgespräch zwischen Schulhausmeister Rolf Kienzler und Facility Manager Thomas Günther.

Herr Günther, können Sie eigentlich noch eine Glühbirne einschrauben?

Rolf Kienzler (prustet)

Günther: Nein, weil ich es nicht darf. Ich bin keine elektrisch unterwiesene Person.

Herr Kienzler, und Sie als Schulhausmeister?

Kienzler: Ja, ganz klar, so war das schon immer. Wir dürfen mittlerweile auch Steckdosen wechseln, weil alle Schulhausmeister in Frankfurt diesen Zusatzkurs gemacht haben.

Herr Günther, was machen Sie denn dann eigentlich den ganzen Tag?

Günther: Der Facility Manager (lacht) managt. Er denkt anders. Klassisches Beispiel: Wir haben im Regelwerk für die technische Instandhaltung den Begriff Wartung und Inspektion. Der FMler denkt in Prozessen und zieht die Inspektion vor die Wartung. Bevor wir etwas tun, gucken wir erst einmal, ob es wirklich notwendig ist. Das klassische FM soll ja die Betriebs- und Energiekosten senken.

Kienzler: Danach müssten alle Schulhausmeister Facility Manager sein. Wir haben nicht nur den klassischen Besen in der Hand. Wir schauen auf die Energiekosten, auf die Bauunterhaltung, auf die Unfallverhütung. Kleinigkeiten reparieren wir auch selbst. Im Prinzip planen wir ähnlich wie Sie, nur wir führen es auch gleichzeitig aus.

Günther: Das tun wir auch. Aber wir gehen mit einem anderen Gedanken ran. Ein anderes Beispiel: Wir haben hier einen Glasaufzug, die Scheiben müssen gereinigt werden. Kann ich denn als FMler nicht das Reinigen einiger Scheiben mit einer Wartung verknüpfen? Der Kunde hat davon einen Nutzen: Der Aufzug ist nur einmal stillgelegt. Das ist nicht das stringente Abarbeiten von Leistungen. Kosten senken, Kundennutzen erhöhen.

Kienzler: Aber das ist doch logisch, dass ich den reinigen lasse, wenn ich auch die Wartung machen lasse . . .

Günther: Richtig. Aber wird das auch so ausgeführt?

Kienzler: Ich kenne es nicht anders.

Für wen und was, Herr Günther, ist ein Facility Manager sinnvoll?

Günther: Für alles, was eine Anlage ist – egal ob Mehrfamilienhaus, Bürogebäude, Museum, Theater oder Industrieanlage.

Das heißt, in all den Gebäuden, in denen wir vor zehn Jahren noch einen Hausmeister hatten, kommen Sie jetzt herein. Geht es darum, den Hausmeister zu ergänzen oder ihn zu ersetzen?

Günther: Es geht um eine Kostenersparnis für den Kunden und für den Nutzer. Es ist eine Weiterentwicklung.

Kienzler: Nein, nicht ganz, weil ich beim Facility Management niemanden mehr vor Ort habe. Schulen haben dagegen das Bedürfnis, dass der Schulhausverwalter die ganze Zeit da ist. Wir sehen wesentlich schneller Unfallgefahren als ein Lehrer, der irgendwann mal das Facility Management anruft.

Günther: Das ist eine falsche Beschreibung. Der FMler ist kein anonymer Mensch, der irgendwo im Büro sitzt, nur Bleistift und Telefon hat und managt. Wir sind auch vor Ort. Wenn es ein Problem gibt, ziehe ich das Sakko aus und gehe in die Heizungsanlage rein. Fertig.

Kienzler: Täglich von morgens 7 Uhr bis abends 18 Uhr?

Günther: Ich persönlich nicht, weil mein Kunde mich nicht acht Stunden vor Ort haben will. Der will nur, dass ich ihm gewährleiste, dass es funktioniert. Sie können ja auch ein Bürogebäude nicht mit einer Schule vergleichen. Da sind ja Menschen drin, die weniger spontan sind als Schüler und logisch denken können. Facility Management zeichnet sich dadurch aus, dass wir interdisziplinär denken. Deshalb sollte es eigentlich schon in der Planungsphase beginnen. Wie oft stellen wir fest, dass ein Architekt ein Gebäude so plant, dass man die Glasreinigung nur mit Industriekletterern durchführen kann. Wir können uns nur dadurch finanzieren, dass wir Einsparungen erzielen.

Kienzler: Diesen langfristigen Blick können wir als Objektbetreuer vor Ort ja gar nicht haben.

Günther: Wir eigentlich auch nicht. Denn alle drei Jahre haben wir einen neuen Auftrag. Heute wird ja alles über den Preis gesteuert. Und wer heutzutage alles Facility Management und Hausmeisterservice anbietet, da kräuseln sich einem die Haare.

Als Facility Manager versprechen Sie Ihrem Kunden offensichtlich die gleiche Arbeit, nur kostengünstiger. Aber Sie können doch nicht billiger arbeiten als ein Hausmeister?

Günther: Wir FMler denken Prozesse anders und verknüpfen sie. Wenn wir die Dinge anders zusammensetzen, sparen wir Lohnkosten. Bei uns werden Leistungen der Wartung auf den Hausmeister übertragen, denn er macht ja sowieso einen Rundgang.

Ohne Hausmeister kommen Sie offensichtlich auch nicht aus.

Günther: Nein, der ist doch das Operative.

Kienzler: Die Stadt zahlt neuen Kollegen ein Einstellungsgehalt zwischen 1900 und 2100 Euro brutto. Wenn jemand 15 Jahre dabei ist, sind wir bei 2200 und 2500 Euro maximal. Wie wollen Sie da noch günstiger sein?

Günther: Ein Absolvent mit Diplom verdient im Facility Management ein Jahresgehalt zwischen 24.000 und 30.000 Euro. Aber das sind auch studierte Wirtschaftsingenieure.

Kienzler: Wozu brauchen wir denn hier studierte Leute?

Günther: Wir schaffen erhebliche Einsparungen in den Betriebskosten, dazu kommen Sie ja gar nicht.

Kienzler: Wir machen auch permanent Energieeinsparungen. An einer einzigen Schule hat es Energieeinsparungen von 48.000 Euro gegeben.

Wieso sollte sich ein angehender Ingenieur auf diesen Studiengang einlassen? In anderen Branchen werden doch ganz andere Gehälter gezahlt.

Günther: Das sind Einstiegsgehälter. In diesem Studiengang ist Kreativität gefragt, weil wir immer wieder vor die Herausforderung der Kostenersparnis gestellt werden. Viele Absolventen werden als Objektleiter eingesetzt, sie führen Teams bis zu acht Leute. Da liegen die Gehälter deutlich höher.

Kienzler: Das Berufsbild ist also nur denken und nicht anfassen. Arbeiten tut der Unterbau. Was ist daran billiger, als wenn ich einen habe, der die ganze Zeit vor Ort ist und das ganze Objekt betreut? Vielleicht sollte ich doch studieren, um das zu begreifen.

Quelle: http://goo.gl/s4zqIg

Was ist eigentlich ein Facility Manager?
5 (100%) 1 vote

One thought on “Was ist eigentlich ein Facility Manager?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.