Ende Gelände: Aktivist/innen schalten Kraftwerk ab

Ein gigantischer Erfolg für die Anti-Kohle-Bewegung: Mit einer friedlichen Blockade von Tagebauen und Kohlebahnen in der Lausitz haben zu Pfingsten tausende Aktivist/innen die Kohlezufuhr des Kraftwerks Schwarze Pumpe unterbrochen und die Meiler in den Notbetrieb gezwungen. Campact-Aktive zeigten mit einer Demo ihre Solidarität für die Aktion. Die Bilder vom Wochenende:

„Nicht schon wieder“, haben sich wohl Kohlelobby und Politiker gedacht, als sich kurz vor Pfingsten mehr als 3000 Menschen aus ganz Europa auf dem Klimacamp in Proschim in der Nähe von Cottbus versammelten. Aber doch, schon wieder! Schon letztes Jahr im Rheinland blockierten Aktivist/innen des Bündnisses Ende Gelände Kohlebagger, dieses Wochenende ging es in die Lausitz.

Schon während der  letzten Wochen kamen Menschen auf der ganzen Welt zusammen, um gegen die schmutzige Kohle zu protestieren. Unter dem Motto “BreakFree from fossil fuels” gingen in den Philippinen 8000 Menschen auf die Straße, in Wales besetzen Aktivisten eine Kohlegrube. Die schönsten Bilder aber  kamen aus Australien: mit hunderten bunter Kanus ruderten Menschen zum größten Kohlehafen der Welt, und legten diesen einen ganzen Tag lang lahm.

Tag 1: Die Bagger und Züge stehen still

Endlich war es dann auch hier soweit: Tag 1 der Aktion in der Lausitz. Am Freitag gegen Mittag machen sich mehr als 2000 Menschen auf in Richtung Tagebau. Und sind nicht aufzuhalten: Innerhalb kurzer Zeit sind mehrere Bagger besetzt, die Ausfahrt der zentralen Kohle-Lagerstätte für das Braunkohle-Kraftwerk Schwarze Pumpe blockiert. Kurze Zeit später sperrten Kleingruppen mit Ankett- und Betonvorrichtungen auch die beiden anderen Gleiszufahrten zu den Kraftwerken. Damit begann ein Wochenende, von dem die Kohlelobby sich wahrscheinlich wünscht, es hätte nie stattgefunden.

Einen schönen Eintrag vom ersten Tag der Aktion bietet dieser Clip von Leftvision:

Tag 2: Kraftwerke blockiert, Campact und viele andere demonstrieren Solidarität

Denn die Aktivist/innen bewiesen unglaubliche Ausdauer: Sie hielten die Bagger und Gleise über Nacht besetzt. Und am Samstag kam dann der nächste Anlauf: Noch einmal weit mehr als 2000 Menschen starteten vom Camp zu Fuß, mit Fahrrädern und Bussen in Richtung Kraftwerk Schwarze Pumpe. Sie setzten sich auf die Gleiszufahrten zum Kraftwerk. Einige drangen für kurze Zeit auch auf das Kraftwerksgelände vor. Das Kraftwerk war damit vom Kohle-Nachschub abgeschnitten. Bereits am Freitagabend drosselte Vattenfall die Stromproduktion. Am Samstag Nachmittag lief das Kraftwerk dann nur noch im Notbetrieb mit 20 Prozent Leistung. Und zeigte damit unfreiwillig: Dieses Kraftwerk ist mehr als verzichtbar. Denn Kohlestrom hat Deutschland sowieso viel zu viel. Gefahr für die Versorgungssicherheit bestand zu keiner Zeit.

An den Blockaden war Campact selbst nicht beteiligt. Während Tausende in die Grube gingen, waren Campact-Aktive aber an der Grube: Zusammen mit OXFAM, Attac, BUND, Naturfreunden, lokalen Initiativen und vielen weiteren Organisationen demonstrierten wir von Proschim nach Welzow, mit Zwischenstopp an der Grubenkante, von wo aus die blockierten Bagger zu sehen waren.Viele Menschen aus der Umgebung hatten sich unserer Demo angeschlossen. 1500 Menschen zeigten so ihre Solidarität mit den Aktivist/innen. Wir waren bunt, wir waren fröhlich, wir waren solidarisch, wir waren viele! 

Tag 3: Kohleausstieg eingeleitet

Die Aktivist/innen hielten die Blockaden noch für eine weitere Nacht.

Und das schöne war: Die Aktion blieb entschlossen aber friedlich – auch weil die Polizei entspannt und besonnen die Proteste begleitete. Den friedlichen Verlauf haben mehrere parlamentarische Beobachter und Journalisten bestätigen können.

Am Sonntag lief das Kraftwerk Schwarze Pumpe nur noch im Notbetrieb. Nach 48 Stunden erfolgreicher Blockade beendeten die Aktivist/innen dann ihre Aktion und kehrten und lautem Jubel ins Klimacamp nach Proschim zurück.

Das Aktionswochenende mit Besetzungen, Demo und Klimacamp zeigt: Die Kohle ist zu stoppen. Die Anti-Kohle-Bewegung aber nicht. Das sollte jedem, der in der Lausitz an der Kohle festhalten will, nun deutlich geworden sein. Und besonders in Schweden wurden die Proteste aufmerksam verfolgt, waren Aufmacher in Abendnachrichten und bestimmten die Schlagzeilen. Denn der schwedische Staatskonzern Vattenfall, dem das Lausitzer Revier noch gehört, will seine Kohle an einen tschechischen Investor. Ob es dazu jetzt nach den massiven Protesten noch kommt, ist ungewiss. In jedem Fall aber ist klar: Dieses Wochenende ist ein gigantischer Erfolg für die europäische Anti-Kohle-Bewegung!

Teile unser Video, damit alle Welt die Bewegung in Aktion sieht!

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