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Blog-Bericht sorgt für Übernahmefantasie bei Wirecard

Die Wirecard-Aktie ist erneut Spielball von Spekulanten geworden: Am Mittwoch sorgte ein Finanzblog namens „Betaville“ für Übernahmefantasie und einen Kursanstieg der Anteilsscheine um zeitweise mehr als 8 Prozent.

Zuletzt betrug das Plus noch rund 5,7 Prozent.

Dem Blog-Eintrag zufolge spricht ein chinesisches Unternehmen mit dem deutschen Zahlungsabwickler über eine teilweise oder komplette Übernahme. Das Blog nannte als möglichen Interessenten den weltgrößten Mobilfunkanbieter China Mobile. Marktexperten zweifelten jedoch an dem Wahrheitsgehalt des „Betaville“-Berichts.

Laut „Betaville“ wollen die Chinesen mindestens 25 Prozent und 53 bis 55 Euro je Aktie zahlen. Zuletzt kostete ein Wirecard-Papier knapp 41 Euro. Eine Sprecherin von Wirecard wollte den Blog-Eintrag auf Nachfrage nicht kommentieren. China Mobile war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Branchenexperte Mirko Maier von der Landesbank Baden-Würtemberg (LBBW) sagte, er „gebe nicht viel auf den Bericht“, nachdem Wirecard erst im Frühjahr Ziel von Anschuldigungen des selbsternannten Analysehauses Zatarra geworden war und die Aktie daraufhin kräftig einbrach. Möglicherweise solle nun der Aktienkurs in die andere Richtung gelenkt werden. Leider sei Wirecard oft im Visier von Spekulanten – „und das könnte auch noch eine Weile so bleiben“.

Die Wirecard-Aktie hatte nach den Vorwürfen um seine Geschäftspraktiken im Februar binnen eines einzigen Handelstages mehr als ein Fünftel verloren und war bis März weiter gefallen. Seitdem ist das Papier wieder im Aufwind und nähert sich durch die aktuellen Gewinne dank des „Betaville“-Berichts wieder dem Niveau kurz vor dem Zatarra-Bericht an.

Wirecard hatte damals die Zatarra-Vorwürfe zurückgewiesen und auch Marktexperten vermuteten eine gezielte Attacke von sogenannten Short-Sellern, also Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten. Dazu werden Aktien ausgeliehen und sofort wieder verkauft – in der Hoffnung, die Anteile später billiger zurückkaufen zu können, wenn die Papiere bei den Verleihern zurückgegeben werden müssen. Die Differenz ist dann der Gewinn.

Nach den Offerten aus China für den Spezialmaschinenbauer Aixtron und den Roboterhersteller Kuka könne ein Interesse an Wirecard aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Experte. Das Unternehmen sei ein interessantes Übernahmeziel – vor allem, da die Papiere nach den Zatarra-Anschuldigungen noch mit einem Abschlag gehandelt werden.

Die grundsätzliche Möglichkeit eines Einstiegs sieht auch Andreas Lipkow vom Berliner Vermögensverwalter Kliegel & Hafner: Nach den Kursverlusten aufgrund kritischer Berichte sei die Aktie vergleichsweise günstig, sagte der Händler. „Da machen mögliche Beteiligungskäufe natürlich Sinn.“ Eine Komplettübernahme hält er aus wettbewerbsrechtlicher Sicht aber für sehr unwahrscheinlich.

 Quelle: focus.de
Blog-Bericht sorgt für Übernahmefantasie bei Wirecard
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